Vom „Araberdorf“ zum Weltkulturerbe

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10. Juli 2017 von killesberger

Le Corbusier, der schweizerisch-französische Architekt mit dem klangvollen Namen Charles-Édouard Jeanneret-Gris hätte vermutlich seine kreisrunde schwarz umrandete Brille geputzt, hätte er sehen können, wie viel Politprominenz heute Nachmittag im Vortragssaal der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste zusammenkam, um eine Ehrung zu feiern, die nach langen Jahren und nicht weniger Hürden dann doch noch erfolgte: die Aufnahme der beiden Stuttgarter Le Cobusier-Häuser ins UNESCO-Weltkulturerbe. Was am 17. Juli 2017 zur Zeit des Türkei-Putsches in Istanbul bekannt gegeben wurde, erhielt heute per Urkunde die schriftliche Bestätigung.

Nach munterem „Come together“ zwischen bekannten und weniger bekannten, dennoch irgendwie wichtig aussehenden Killesbergern im Aka-Foyer folgte durch Friedemann Gschwind (Beirat der Freunde der Weißenhofsiedlung und heute Moderator) ein kleiner Begrüßungsmarathon im Saal, um auch keine und keinen der angereisten Polit-Promis aus Bund, Land und Stadt zu vergessen.

Prof. Dr. Maria Böhmer, Staatsministerin im Auswärtigen Amt und MdB, eröffnete den Reden-Reigen und verwies auf die „transkontinentale“ Bedeutung der LC-Häuser. Und nicht ohne Stolz auf die 6 Weltkulturerbestätten des Landes „von der Eiszeit bis zur Moderne“. Wichtig war ihr, dies als schützenswertes Erbe zu begreifen.

Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Landesministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, zitierte Oscar Wilde und verwies ebenfalls auf die Bandbreite der Welterben im Land zwischen Eiszeithöhle und modernem Bauen. Sie betonte unter anderem die Wichtigkeit des Denkmalschutzes, dessen Bedeutung sich gerade bei der einst auch in der Nachkriegszeit umstrittenen Weißenhofsiedlung.

Oberbürgermeister Fritz Kuhn verzichtete netterweise auf die Wiederholung der ellenlangen, mit Titel gespickten Begrüßung der prominenten Festgäste und kam dafür gleich zur Sache: Er dankte im Namen aller Stuttgarter für die UNESCO-Auszeichnung, verwies auf die frühere Streitgeschichte zwischen Modernem Bauen und Ornamentik und blickte in die Zukunft des Jahres 2027. 100 Jahre nach dem wegweisenden Vorbild am Killesberg will Stuttgart mit einer Internationalen Bauausstellung wieder einen Meilenstein in zeitgemäßem, dem Menschen dienenden Bauen setzen. Mit viel Applaus bedachte wurde Kuhns Schlussfolgerung „Jedenfalls kann man die Weißenhofsiedlung jetzt nicht mehr gestückelt verkaufen.“

Aber man konnte sie zum Abschluss der Veranstaltung gemeinsam besuchen, was etliche der Festgäste nach einstündiger Laudatio zu einem kleinen Fußmarsch in die nahe Rathenaustraße bewegte. Hier wurde die Plakette zur Welterbe-Ehrung am Mauerwerk des LC-Doppelhauses befestigt.

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