Für 57 Reichsmark in den Tod

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1. Dezember 2016 von killesberger

hhg01121601Alles begann in der Gestapozentrale im „Hotel Silber“. Hier saßen die Beamten des Todes und planten die systematische Vernichtung jüdischer Landsleute, die aus ihrem Zuhause in Württemberg und Baden abgeholt und in „Sonderwagen“ in das Sammellager am Killesberg gebracht wurden. Zuvor wurde ihnen amtlich mitgeteilt, was sie in ihre „neue Zukunft im Osten“ mitnehmen durften. Ihr Besitz floss den Nazi-Machthabern zu; 57 Reichsmark pro Person kostete die Fahrkarte in die Vernichtung. Ganze Familien von der Oma bis zum Baby harrten am Killesberg samt spärlichem Gepäck in zugigen Hallen auf das aus, was folgen sollte. Es folgte der Montag, 1. Dezember 1941. Es war kalt, es war früh, als der Personenzug DA 33 den Stuttgarter Nordbahnhof verließ. Tausend Menschen gingen auf eine 1.800 Kilometer lange „Reise“ quer durch Deutschland, Polen und Litauen in Lettlands Metropole Riga. Für die meisten eine Schreckensfahrt ohne Wiederkehr. Zwischen dem 26. April 1942 und dem 11. Januar 1944 folgten sieben weitere große Deportationen aus Württemberg. 

Heute erinnerten in Anwesenheit von Oberbürgermeister Fritz Kuhn und Bürgermeister Dr. Martin Schairer in einer Gedenkstunde am Mahnmal im Höhenpark  und danach in der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste – Landesrabbiner Netanel Wurmser und der Kantor an den Beginn der Deportationen der Juden aus Württemberg und Baden, den 75. Jahrestag dieser Verbrechen Deutscher an Deutschen. Die Täter waren Nachbarn, die Opfer auch. Nur, dass sie jüdischen Glaubens waren. Begleitet wurde die von der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg, der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und der Landeshauptstadt Stuttgart organisierte Veranstaltung in der Kunstakademie von Schüler-Darbietungen der Freien Waldorfschule am Kräherwald

Der Horror von gestern ist vergangen, wenn auch weder zu vergeben noch zu vergessen. Die Menschen von damals, ob Täter oder Opfer, sind heute Greise oder leben nicht mehr. Also alles Geschichte? Die Täter Akteure von gestern? Ihre Motive vielschichtig – von der „Schmach“ des verlorenen 1. Weltkriegs über den gesellschaftlichen Absturz bis zur Arbeitslosigkeit oder Invalidität. Und die Suche nach Schuldigen. Damals die Juden. Es begann mit Demonstrationen, Schlägereien, Pöbeleien, Hetzjagden, Brandstiftung … schon sind wir in der deutschen Gegenwart. Sie sollte so keine Zukunft und das Szenario von gestern kein Morgen haben.

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