A wie Advent. Oder Abschiebung?

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26. November 2016 von killesberger

hhg271116Am Sonntag, 27. November 2016 ist der 1. Advent: Evangelische und katholische Christen bereiten sich auf die Geburt Jesu Christi vor. Bis zum 4. Advent drücken sie an den kommenden vier Sonntagen ihre Freude über „die Ankunft des Herrn“ aus und ihre Erwartung an dessen Erscheinen. So sagt es der christliche Glauben.

Der amtliche Brief im gelben Umschlag sagt auch an diesen Tagen für unzählige bei uns gestrandete Menschen statt Ankunft Abschiebung. Ihrem Exodus folgt kein Adventus. Denn der gelbe Umschlag verkündet für nicht wenige aus Kriegs- und Krisengebieten Geflohene einen schwarzen Tag. Der sich euphemistisch als Rückführung verkleidet und auch im Schlaf, nachts oder am sehr frühen Morgen, kommen kann. Durch Polizeibeamte, die dabei einen Job machen, den wohl die wenigstens „gern“ machen. Notfalls aber auch beim Packen helfen, zumindest der Hände, mit Kabelbindern. Weinende Kinder? Kollateralschaden, tut uns leid. Der Termin war ja bekannt, sie hätten ja auch freiwillig gehen können. Diese Menschen sind tausende von Kilometern über Wasser und zu Lande, mit löchrigen Schlauchbooten, rappelvollen Zügen, klapprigen Bussen und zu Fuß zu uns gekommen. Nicht, um hier Weihnachten zu feiern. Nur, um hier Frieden zu finden. Sie wurden registriert, sortiert, kontigentiert, transportiert, informiert und angestiert. Sie waren (meist) geduldig, haben gelächelt, unbeholfen ein paar deutsche Worte gesagt, ihre Kinder schon weit mehr. Diese Menschen haben sich untersuchen und begutachten lassen, brav selbst dümmste Fragen beantwortet, waren dankbar für abgetragene Klamotten, noch mehr für jedes freundliche Wort, haben Deutsch-Kurse besucht. Schließlich sollen, wollen sie sich integrieren. Irgendwann waren sie für die, die sie näher kennenlernten keine „Flüchtlinge“ mehr. Sondern Rashida und Mazen, Fida und Hassan, Khaled und Siham … Nachbarn – Menschen wie Klara Häufele und Karl Schäufele. Klara und Karl müssen morgen früh ihr Heim verlassen. Mit Kind und Koffer. Ach, nein, das sind ja die anderen. Denn Häufeles und Schäufeles feiern Advent. Das heißt Ankunft. Nur für die anderen kann es Abschiebung heißen. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Aber beeil‘ dich, sonst musst du dem blauen Auto mit dem blauen Licht auf dem Dach nachfahren. Oder in eines der sicheren Herkunftsländer reisen. Zum Beispiel nach Afghanistan. Da sind schließlich auch deutsche Soldaten, die leben doch noch. Und in Gambia ist es schön warm. Nur hier kann es manchmal verdammt kalt sein. Selbst, wenn das vierte Lichtlein brennt. Schönen, noch besser besinnlichen Advent wünscht DER KILLESBERGER

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