Schon wieder ein Jahr?

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24. Oktober 2016 von killesberger

hhg24101601„Wirklich schon wieder ein Jahr?“ fragte der Liedermacher Reinhard Mey einst anno 1970. Fast ein Jahr ist es her, dass sich der FREUNDESKREIS KILLESBERG konstituierte und fast ein halbes Jahr, dass sich seine 10 Arbeitsgruppen für viele Belange unserer neuen Nachbarn im Containerdorf an der „Roten Wand“ engagieren. Heute Abend trafen sich die Ehrenamtlichen und andere Interessierte in der Brenzkirche zu Rückblick und Ausblick, moderiert von Pfarrer Karl-Eugen Fischer. Auch wenn sich die Zahl der tatkräftigen oder wissbegierigen Nachbarn inzwischen sichtbar verringert hat, konnten Fischer und die mit und für die Flüchtlinge Tätigen stolz über einige Erfolge berichten. Eine dieser kleinen, großartigen Taten war bereits am Eingang zu bewundern und zu kaufen: handgeflochtene bunte Herbstkränze, die zusammen mit Containerbewohnern im Café Welcome entstanden sind.

Dankend und lobend für die Arbeit des Freundeskreises ebenso wie für die großzügigen Spenden von Privatpersonen und Firmen äußerte sich Christian Schwinge, Vorsitzender des evangelischen Kirchengemeinderats Stuttgart. Renate Schwenkel, „Finanzministerin“ der evangelischen Nordgemeinde und nur wenigen Insidern bekannt für ihre lebhaft-fröhlichen optimistischen Ausblicke auf die Finanzlage, jedenfalls sieht die Budgetaussichten für 2017 mit gemischten Gefühlen und einstweilen noch halbwegs gut gefüllter Kasse.

Zu keinerlei Fröhlichkeit Anlass bot der Vortrag von Karl-Eugen Fischer über die Themen Anhörung und mögliche Abschiebung. Diese politischen Instrumentarien werden nach seinen Schilderungen mit beamtiger Akribie und Sorgfalt und nicht selten mit dem Ziel schneller Rückführung in vermeintlich sichere Länder oder Landstriche wie zum Beispiel in Teile Afghanistans durchgeführt. Die eventuell mehrstündige Anhörung, bei der ein Dolmetscher und auf Wunsch des Betroffenen auch ein (stummer) Begleiter anwesend sind, erfordert vom Asylsuchenden gründliche Vorbereitung auf Fragen-, aber auch Fallenstellung. Hilfe bietet hierbei die Organisation „ArrivalAid“: www.arrivalaid.org Ob am Ende die Anerkennung für 3 Jahre, die Teilanerkennung (subsidiärer Schutz) für 1 Jahr, ohne Familie, oder die Ablehnung steht, ist so sicher wie der Osten Aleppos. Ablehnung wiederum heißt entweder freiwillig Flug buchen, Koffer packen und tschüss Deutschland. Wenn nicht, erfolgt der Auszug mit Polizeibegleitung, nötigenfalls mit Armbändern. Für „Tschüss!“ bleibt dann keine Zeit. Es sei denn, ein cleverer Anwalt erreicht einen Last-minute-Aufschub.

Nach diesem eher traurigen Themenkomplex berichtete DRK-Heimleiterin Christina Eiermann von den fröhlichen Erlebnissen mit ihren zur Zeit 133 Schützlingen, von denen einige inzwischen in Ausbildung, 15 andere bereits nach Anerkennung schon nicht mehr am Killesberg sind, aber gerne immer wieder zu Besuch kommen. Ganz neu und mit 3 Stunden ganz schnell kam am 6. 10. 2016 im Robert-Bosch-Krankenhaus Angel Luna zur Welt, Töchterchen einer Bewohnerin aus Kamerun. Weitere neue Bewohner sind nach derzeitigem Kenntnisstand nicht zu erwarten, da die beiden unbesetzten Container wegen Schadstoffbelastung noch nicht freigegeben sind.

Abschließend berichteten die Sprecher einzelner Gruppen kurz über ihre Projekte: Petra Dais über die von ca. 70 Sprachschülerinnen und -schülern besuchten Sprachkurse, in denen etwa 25 Personen unterrichten. Einige der Schüler sind dort, weil sie keine Möglichkeit für einen offiziellen Sprachkurs haben oder nicht zur Schule gehen, andere werden hier von Ehrenamtlichen betreut und erhalten Nachhilfe beziehungsweise Unterstützung, um den Schulstoff zu schaffen. Anke Roeder-Barz berichtete über ihren etablierten Treff-, Spiel- und Lernplatz Café Welcome, dem allerdings noch mehr Frauen angehören könnten. Für sie gibt es demnächst zusätzliche kreative Angebote wie Stricken, Nähen und anderes. Johannes Berger von der KommunikationsAG bat um Informationen der Gruppen, um sie in die Website zu stellen und avisierte als neuen Web-Punkt eine „Jobbörse“. Issam A. Karim umriss das Programm der freitags von 17 bis 20 Uhr agierenden Macher der Radiostation „Radio Good Morning Deutschland“ und Anna Butters von der KinderAG appellierte an die Nachbarn, sich als Lernpaten zu engagieren. Bärbel Mohrmannn berichtete über die „Lesepaten“ von Isabelle Devaux und das herausragende Engagement des Arzt-Ehepaars Dr.Greiner, die für die Gesundheit unserer neuen Nachbarn zur Verfügung stehen. Für trainierte, fundierte Berufseinstiege und Bewegungsspaß ohne spezielle Outfits macht sich Nevenka Dietrich stark, die auf diversen Feldern ihr Können und Wissen zum Nutzen der Containerbewohnerinnen und –bewohner präsentiert.

Zu guter Letzt stellten Hans H. Greuter und Issam A. Karim ein Projekt vor, das bei der DRK-Teamleitung wie bei den Geflohenen auf großes Interesse stieß: eine eigene Zeitung. Mit Berichten über ihre Situation, ihre Erfahrungen, ihre Träume: r/e/d, refugees, experiences, dreams. Die Artikel der farbigen 8-Seiten-Zeitung im A3-Format mit einer Auflage von 1.000 Exemplaren werden von den Bewohnern geschrieben, Greuter und Karim sind zwar die „Erfinder“, aber ansonsten lediglich die Coaches und Gestaltungslenker des für November d.J. geplanten mehrsprachigen Blatts. Und Issam vor allem der geduldige Übersetzer und Motivator.

„Gute Nacht!“ wünschte danach Pfarrer Karl-Eugen Fischer, dem sich DER KILLESBERGER gerne anschließt.

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Ein Kommentar zu “Schon wieder ein Jahr?

  1. […] Lesen Sie dazu den Artikel „Schon wieder ein Jahr?“ auf der Seite DER KILLESBERGER: https://killesberger.wordpress.com/2016/10/24/schon-wieder-ein-jahr/. […]

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