Zum Sonntag: Woher kommt bloß der Hass?

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29. Mai 2016 von killesberger

HHG062014DER KILLESBERGER liest täglich neben Zeitungen, gedruckt und online, zahlreiche facebook-posts. Und wundert sich immer öfter über die sich steigernden Hasstiraden gegen Andersdenkende, Anderslebende.

Da outen sich lebende Zeitbomben, denen man im Supermarkt, in der Kneipe oder anderswo nicht begegnen möchte. Woher kommt bloß diese Wut, dieser Hass? Was hat diese meist harmlos wirkenden Mitmenschen zu mitleidlosen, bösartigen Hetzrednern, vielleicht auch Hetztätern gemacht? Lieblose Kindheit, verpatzte Schulzeit, verpasste Berufschancen, unglückliche Liebe?

Es gibt viele Weichen des Lebens, die irgendwann einmal falsch gestellt werden können. Und plötzlich landet ein Mensch auf dem Abstellgleis. Aus eigener oder anderer Schuld. Aber es gibt nie einen Grund, deswegen andere in irgendeiner Form dafür zu bestrafen. Weder verbal noch real. Auch 26 Buchstaben können eine verletzende oder sogar tödliche Waffe sein. Oder ein Mittel zum Verstehen und zur Verständigung.

Ich muss Frau Merkel und ihre Politik nicht mögen, kann Flüchtlinge und deren Aufenthalt bei uns ablehnen, Moslems, Moscheen und Kopftücher islamgläubiger Frauen für eine Gefahr des heimischen Jägerzauns und meines Dackels halten, die EU und den Euro kritisieren, die USA oder Russland fürchten … Muss ich deswegen beleidigende Pamphlete posten, mir völlig fremden oder öffentlichen Personen drohen? Beseitigt die irrationale Kanalisierung individueller Wut deren Ursache? Nein! Kündigung, Arbeitslosigkeit, Scheidung, Krankheit … oder andere Schicksalsschläge werden nicht ungeschehen, wenn ich andere dafür schlage, in Worten oder gar Taten.

Österreichs Präsidentenwahl hat gezeigt, wie sich ein Volk spaltet. Prozentual mögen die Verhältnisse in Deutschland noch nicht so weit sein, mental sind sie es schon lange. Dabei geht es nicht um Flüchtlinge oder Islam, Euro oder TTIP. Es geht um Gerechtigkeit. Und das Gefühl vieler, davon ausgeschlossen zu sein. Wo bleiben die Aufklärer und Erklärer aus Politik und Wirtschaft, von Gewerkschaften und Kirchen, die nicht schön schwätzen, was hässlich wirken und Hass auslösen kann? Sondern glaubwürdig Klartext reden. Gerade mit denen, die Kopf, Ohren und Herz verschlossen haben. Weil sie glauben, vergessen worden zu sein.

Der irgendwann, irgendwo hängengebliebene Schüler, der ohne Abschluss abgeht. Die alleinerziehende Mutter, die durch drei Jobs hetzt, gerne eine gute Mutter wäre, aber nur noch heulen könnte. Der Arbeitslose, der zwar „Kunde“ im Jobcenter ist, aber wie ein Bittsteller behandelt wird. Der Hartz IV-Bezieher, der nach -zig Arbeitsjahren Almosen erhält. Die Rentnerin, die mal „gut da stand“, aber jetzt an der „Tafel“ ansteht. Aber auch der Einser-Abiturient, der blöderweise Germanistik studiert hat, „irgendwas mit Medien“ machen wollte und jetzt irgendwo Taxi fährt. Die geschiedene Mittfünfzigerin ohne Ausbildung, die mal über der Stadt wohnte und nun unterm Dach.

Alle die und noch viel mehr sehen sowohl für Merkels großartiges „Wir schaffen das!“ als auch für ihr eigenes kleinmütiges „Ich schaffe das!“ schwarz. Oder blau-rot. Und folgen der AfD, klatschen begeistert, weil „denen da oben“ mal die Meinung gesagt wird, weil in einfachen Sätzen einfach ausgedrückt wird, was sie empfinden: Mir stinkt’s, mir reicht’s, das muss anders werden. Wie? Egal, Hauptsache erst mal anders.

Liebe Politiker, Gewerkschafter, Pfarrer, Unternehmer: kümmert euch um diese Leute. Bevor sie sich um euch kümmern. Sprecht mit ihnen. So wie ihr früher mal gesprochen habt. So, dass ihr verstanden werdet, dass euch geglaubt wird. Tu felix Germania?

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