Buch & Handlung

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6. Juli 2015 von killesberger

SCHARR Papeterie und BuchhandlungDemnächst sind lange Ferien und da kommt manchmal Langeweile auf; zumindest ist – für die oder den, die oder der’s mag – endlich mal wieder Zeit, ein Buch zu lesen. Außerhalb des schulischen Lehrplans und der privaten Leerzeit zwischen Party und Chillen, Shoppen und Grillen. Oder arbeiten Sie etwa auch in Ihrer Freizeit? Also, PC und Smartphone mal ausschalten und lesend abschalten. Vielleicht mit einem dieser Bücher, einer absolut subjektiven Empfehlung und „Mini-Rezensionen“, die keinem professionellen Literaturkritiker gefallen müssen, aber Ihnen eventuell einen Tipp geben. Apropos Tipp: Für ein Buch mit Handlung gibt’s die Buchhandlung. In der Nähe sind zum Beispiel Scharr auf der Killesberghöhe und Brucker in der Schwabstraße.

DER TRAFIKANT von Robert Seethaler: Wien, Mitte bis Ende der 1930-er-Jahre. Der Antisemitismus wächst, die Sympathien für Hitler, und ein junger Mann aus einem Dorf in Oberösterreich wird von seiner Mutter zur Ausbildung in eine Wiener Trafik geschickt – einen kleinen Laden für Zigaretten, Zigarren, Zeitungen und Zeitschriften. Er lernt ein hübsches Mädchen kennen und Sigmund Freud, den Begründer der Psychoanalyse. Die beiden ungleichen Männer freunden sich an, bis sich die Nazis auch in Wien mit Gestapo, Brutalität und Judenhass festsetzen und Freud 1938 emigrieren muss. Eine sehr gefühlvolle Schilderung der Irrungen und Wirren eines Heranwachsenden, seiner Liebe zu Mutter, Heimat und einer rätselhaften böhmischen Schönheit vor dem Hintergrund einer beängstigenden Zeit. Empfehlenswert für alle, die an Zeitgeschichte wie an romantischen, emotionalen Stories interessiert sind.

TREIDELN von Juli Zeh: Wer Literatur liebt oder gar selber schreibt, wird sich über die Korrespondenz zwischen der bekannten Roman-Autorin Zeh und diversen Briefpartnern vom Verlag bis zur Uni, Freunden bis Finanzamt köstlich amüsieren. Zeh lässt sich darin bissig und witzig über die von Kritikern wie Lesern aufgebauten Mysterien des Schreibenkönnens und Sagenwollens, das krampfhafte Hinterfragen der Absichten, Hintergedanken eines Autors ebenso aus wie über die in ihn gestellten höchst unterschiedlichen Erwartungen von Lesern oder Literaturexperten. Nur empfehlenswert für Leser/-innen, die einen kleinen Blick hinter das Schriftstellersein und den Literaturbetrieb werfen wollen und Sprach-Spiele mögen.

HOTTENTOTTENSTOTTERTROTTEL von Wolf Schneider: Noch eine Deutsch-Stunde. Mit den so interessanten wie amüsanten Memoiren eines Sprachbesessenen und Sprachkünstlers. Der ellenlange Stolpertitel ist nur eine Reminiszenz an die Jugend des Autors und seine damaligen Sprechprobleme. Ein frühes Handicap, das Schneider nicht hinderte, einer der brillantesten Journalisten Deutschlands zu werden – Chefredakteur renommierter Zeitungen und Zeitschriften, TV-Moderator, Buchautor. Und als Leiter der von STERN-Chefredakteur Henri Nannen, selbst eine Legende, gegründeten Gruner + Jahr-Journalistenschule gnadenloser Deutsch-Lehrer zahlreicher Nachwuchsjournalisten. Sie hassten und verehrten ihn, denn er war sowohl fast unerreichbares Vorbild als auch quälender Kotzbrocken. Brillanz und Arroganz waren und sind bis heute Schneiders Paralleluniversum. Ein lesenswertes Buch für alle, die beruflich oder privat schreiben und sich hier ein Schreibchen abschneiden können.

DAS LIEBESLEBEN DES NATHANIEL P. von Adelle Waldmann: Warnung vorweg – wer die Schilderung von Sexszenen abstoßend findet oder entsprechende Vulgärausdrücke, besonders F-Wörter, sollte diesen Passus überscrollen und dieses Buch vergessen. Wer sich daran nicht stört, erhält einen Einblick in die Denk-, Gefühls- und Erlebniswelt diverser junger, intelligenter US-Amerikaner der gehobenen Mittelschicht, ihrer Probleme und Nöte, Freuden und Leiden zwischen High School, College und ersten Jobs. Sie alle bewegen sich letztlich in New Yorks Medienwelt aus Webdesign, Buch-, Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen. Im Mittelpunkt steht Nate, die Titelfigur, und sein Problem, die richtige Partnerin zwischen Anpassung und Widerspruch, Selbstbestätigung und Freiheitsdrang zu finden. Empfehlenswert, wenn es Sie interessiert, wie manche „Thirty-Somethings“ unserer Zeit mit viel Bildung und wenig Perspektive, vielen Hoffnungen und weniger Aussichten versuchen, doch noch irgendwie glücklich zu werden. Und sei’s mit einem F-Wort. 

Sie lieben Liebe und Romane darüber? Dann noch zwei Empfehlungen, die DER KILLESBERGER auf dem Tisch, aber noch nicht vollständig gelesen hat:

EINE LIEBE IN PRAG von Jean-Michel Guenassia: Prag, Paris, Algier sind die Stationen dieses Buches, das in den 1930-er Jahren spielt: Es erzählt einfühlsam und anschaulich den Lebensweg eines Mediziners, Träumers und Tänzers und über die Liebe seines Lebens.

DAS BÖSE MÄDCHEN von Mario Vargas LlosaLiteratur-Nobelpreisträger Llosa führt Sie mit diesem romantischen Roman von Peru nach Europa und ins turbulente Leben eines jungen Mannes, der immer wieder einer obsessiven Liebe erliegt, die früh beginnt und nie endet, ihn verführt und verwirrt, verzaubert und verunsichert.

Foto: Natalie Isser für k Magazin Killesberghöhe No. 5/15/Interessen- und Werbegemeinschaft Killesberghöhe e.V.

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