Geht dem Rathaus bald der Rat aus?

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31. Juli 2014 von killesberger

800px-Stuttgarter_FußgängerzoneJetzt also auch der „Schreibwaren Haufler“, demnächst der „Foto Hirrlinger“, kürzlich das „Scholz am Markt“. Und wie heißt der nächste der traditionellen Innenstadtläden, für den Ladenschluss keine Uhrzeit bedeutet, sondern das Ende der Existenz, oft nach Jahrzehnten oder vielen Jahren. Weil 1A-Lagen wie am Marktplatz oder in der Königstraße 1A-Mietpreise mit sich bringen. Festgesetzt, gefordert und meist auch erzielt von Investoren – oft Versicherungen oder Banken – die primär eines im Blick haben: Rendite. Weil sie ihrem Vorstand und ihren Anlegern verpflichtet sind. Nicht Herrn Müller, der immer seinen Kalender bei „Hauffler“ kaufte, Frau Meier, die ihren alten Fotoapparat bei „Hirrlinger“ zur Reparatur brachte und Max & Moritz, die sich bei „Scholz“ eine Latte teilten. Das ist Marktwirtschaft, das ist Trend, das ist traurig. Weil die Ladenfronten bald aller Städte zwischen Toronto und Tokio, Pinneberg und Palermo dann gleich aussehen – von Armani bis Zara ist alles da. Nur der „Schrauben-Karl“, der „Blumen-Bärtel“, „Der Fröhliche Zecher“ und viele andere, bei denen meist drin steht, wer dran steht, die hat’s vertrieben. Weil sie hohe zwei- oder gar dreistellige Quadratmeterpreise trotz 14-Stunden-Tag nicht erwirtschaften, nicht zahlen können. Wenn sie Glück und noch die Kraft dazu haben, finden Sie eine günstigere Dependance in einer Seitenstraßenlage. Wenn sie noch mehr Glück haben, finden Sie dort, wo sie schlechter gefunden werden, auch Kunden. Falls die nicht in einer der gigantischen Malls schon ausgegeben haben, was man als Otto-und-Klara-Normalverdiener ausgeben kann. Und die Stadtverwaltung, nicht nur in Stuttgart, könnte statt Verwaltung mal kreativ werden. Sie kann „die Kleinen“ natürlich nicht einfach subventionieren und ist sicher froh, wenn es keine längeren Leerstände gibt. Sie könnte aber vielleicht Pläne entwickeln, die nicht nur den städtischen Baum schützen, sondern auch den städtischen Raum. Und Regularien schaffen, die einen Ausverkauf der Innenstädte an globale Handelskonzerne eindämmen. Um noch bezahlbaren Freiraum für die „Haufflers“ & Co. zu lassen. Bei einer Fortsetzung des jetzigen Trends geht man zum Einkaufen immer häufiger statt in die Stadt in sein Quartier. Und freut sich, dass es dort – zumindest für den täglichen Bedarf und ein bisschen Luxus by the way – fast alles gibt, was das Herz begehrt und das Portemonnaie ermöglicht. Ohne Slalom durch rot-weiße Baustellen-Baken, Parkplatznot und Schaufenster-Einheitslook zwischen C&A und H&M. Schade wär’s, denn so schön es am Killesberg und in anderen Stadtteilen ist, auch die City sollte ein Ziel sein und bleiben. Mit Vielfalt statt Einfalt.  

Foto: Wikipedia/Wikimedia Commons, Urheber Martin Dürrschnabel

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2 Kommentare zu “Geht dem Rathaus bald der Rat aus?

  1. Stephan Rieder sagt:

    Sehr geehrter Herr Dürrschnabel,

    ein sehr, sehr guter und bemerkenswerter Artikel, den Sie verfasst haben …Kompliment!

    Mein Vorschlag wäre, genau diesen Artikel im Rathaus bei der nächsten Gemeinderatssitzung,
    allen Parteien vorzulesen, damit vielleicht ein Umdenken in Punkto Städtemanagement ange-
    stoßen wird, oder das sich zumindestens die Politiker die diesen Mall/Quatierirrsinn angestrengt
    haben, vielleicht wieder Boden unter die Füße bekommen und mehr wieder nachdenken, bevor
    sie weitere unsinnige Projekte vorantreiben.

    Mit freundlichen Grüßen
    Stephan Rieder

    • killesberger sagt:

      Sehr geehrter Herr Rieder,

      danke für Ihren Kommentar, allerdings ist „Herr Dürrschnabel“ der Urheber des Fotos, ich – Autor des Blogs DER KILLESBERGER – heiße (mit freundlichen Grüßen):

      Hans H. Greuter

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